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Mikroplastik in der Lunge: Neue Studie zeigt höhere Belastung bei Lungenkrebspatienten

Ein Bericht von Healthcare in Europe lenkt den Blick auf eine bislang wenig geklärte Frage: In einer Untersuchung wurden Mikroplastikpartikel häufiger und in größeren Mengen in den Lungen von…

Mikroplastik in der Lunge: Neue Studie zeigt höhere Belastung bei Lungenkrebspatienten

Ein Bericht von Healthcare in Europe lenkt den Blick auf eine bislang wenig geklärte Frage: In einer Untersuchung wurden Mikroplastikpartikel häufiger und in größeren Mengen in den Lungen von Menschen mit Lungenkrebs gefunden als bei Teilnehmenden ohne diese Diagnose. Die Ergebnisse wurden beim Kongress der European Respiratory Society in Barcelona vorgestellt. Für Patientinnen und Patienten ist das vor allem deshalb relevant, weil die Studie einen möglichen Zusammenhang beschreibt, aber noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweist.

Was die Untersuchung gezeigt hat

An der Untersuchung nahmen 100 Menschen teil, die sich am Universitätsklinikum Larissa in Griechenland wegen Lungensymptomen einer Bronchoskopie unterzogen. Bei der Hälfte wurde anschließend Lungenkrebs diagnostiziert, bei der anderen Hälfte nicht.

Die Forschenden untersuchten sogenannte Lungenspülproben, bei denen ein Bereich der Lunge mit Kochsalzlösung gespült und das gewonnene Material analysiert wird. Bei der Hälfte der Teilnehmenden wurde zusätzlich eine kleine Gewebeprobe untersucht. Insgesamt fanden die Forschenden 232 Mikroplastikpartikel.

In mindestens einer Probe – also in der Lungenspülung, im Gewebe oder in beiden Materialien – ließ sich bei 70 Prozent der untersuchten Personen Mikroplastik nachweisen. Wurden die Proben aus Lungenspülung und Gewebe gemeinsam betrachtet, hatten die Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs häufiger nachweisbare Partikel und insgesamt eine höhere Belastung als die Vergleichsgruppe.

Auch bei den Lungenspülproben zeigte sich ein Unterschied: Bei 66 Prozent der Menschen mit Lungenkrebs wurden Mikroplastikpartikel gefunden, gegenüber 46 Prozent der Teilnehmenden ohne Krebs. Die Forschenden berichten außerdem von einer höheren Gesamtmenge bei der Krebsgruppe.

Warum die Ergebnisse noch keine Diagnose erklären

Die Zahlen wirken zunächst alarmierend, doch ihr medizinischer Aussagewert muss sorgfältig eingeordnet werden. Die Untersuchung zeigt eine Verbindung zwischen dem Nachweis von Mikroplastik und der untersuchten Erkrankung – sie beweist nicht, dass Mikroplastik Lungenkrebs verursacht.

Die Forschenden halten mehrere Erklärungen für möglich. Mikroplastik könnte Entzündungsprozesse oder andere biologische Vorgänge beeinflussen, die an Erkrankungen beteiligt sind. Ebenso denkbar ist jedoch, dass erkranktes Lungengewebe Partikel anders zurückhält als gesundes Gewebe. Welche dieser Möglichkeiten zutrifft, bleibt offen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Verteilung innerhalb der Lunge. Menschen mit mehr Mikroplastik in der Lungenspülung hatten tendenziell weniger Partikel in der dazugehörigen Gewebeprobe – und umgekehrt. Nach Einschätzung der Forschenden spricht das dafür, dass sich die Partikel nicht gleichmäßig in der Lunge verteilen. Eine Spülprobe erfasst eher Partikel aus den Lufträumen, während eine Gewebeprobe Partikel sichtbar machen kann, die im Lungengewebe eingebettet sind.

Was für Betroffene jetzt wichtig ist

Nachgewiesenes Mikroplastik in einer Studie ist nicht automatisch ein individueller Befund und schon gar keine Erklärung für die persönliche Krankheitsgeschichte. Die Untersuchung beschreibt eine Gruppe von Menschen, die bereits wegen Lungensymptomen bronchoskopiert wurden; daraus lässt sich kein allgemeiner Test für die Bevölkerung ableiten.

Untersucht wurden vor allem Polypropylen und Polyethylen. Diese Kunststoffarten werden in Verpackungen, Textilien, Haushaltsmaterialien und anderen Alltagsprodukten verwendet. Der Bericht macht damit sichtbar, wie eng Umweltfaktoren und der menschliche Körper inzwischen miteinander verbunden sind – er liefert aber noch keine geprüfte Therapie und keine belegte Methode, mit der sich Mikroplastik aus der Lunge „ausleiten“ lässt.

Der sinnvollste nächste Schritt für Patientinnen und Patienten besteht deshalb darin, die Ergebnisse nicht mit einem eigenen Krebsrisiko gleichzusetzen und keine vorschnellen Entgiftungsmaßnahmen daraus abzuleiten. Entscheidend bleibt die individuelle medizinische Abklärung; zugleich muss die Forschung klären, wie hoch die Hintergrundbelastung in gesunden Lungen ist, wie stark sie von Mensch zu Mensch variiert und ob die Partikel tatsächlich zur Krankheitsentstehung beitragen.