Können Apherese-Verfahren PFAS und Mikroplastik aus dem Blut entfernen?
Wie das Fachportal Inside Precision Medicine berichtet, deuten vorläufige Ergebnisse eines Forscherteams der Technischen Universität Dresden darauf hin, dass eine bestimmte Form der Blutreinigung…

Wie das Fachportal Inside Precision Medicine berichtet, deuten vorläufige Ergebnisse eines Forscherteams der Technischen Universität Dresden darauf hin, dass eine bestimmte Form der Blutreinigung – die therapeutische Apherese – nicht nur Blutfette und Entzündungsfaktoren, sondern möglicherweise auch hartnäckige Umweltgifte wie PFAS („Ewigkeitschemikalien") sowie Mikro- und Nanoplastik aus dem Blutkreislauf entfernen kann. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Brain Health", verfolgt eine Hypothese, die unser Verständnis von Entgiftung auf zellulärer Ebene spürbar erweitert. Für Sie ist das mehr als eine Fachnachricht: Es ist ein erstes Indiz dafür, dass die Medizin beginnt, die unsichtbare Last, die wir alle Tag für Tag mit uns tragen, ernsthaft anzugehen.
Wie die Blutwäsche Schadstoffe einfangen soll
Stellen Sie sich Ihr Blutplasma wie einen Fluss vor, in dem nicht nur Nährstoffe, sondern auch ungebetene Passagiere mitfließen. PFAS-Verbindungen und winzige Plastikpartikel heften sich nach den Erkenntnissen des Dresdner Teams bevorzugt an Fett-Eiweiß-Kügelchen (Lipoproteine) und bestimmte Plasmaproteine – sie bilden gemeinsam größere „Korona-Komplexe", die dann in der Apherese leichter aus dem Verkehr gezogen werden können. Zum Einsatz kommen dabei zwei Verfahren: die Doppel-Filtrations-Plasmapherese (DFPP) und die Adsorptionsapherese. Bei beiden wird das Blut durch spezielle Filter oder Bindungsmedien geleitet, die diese Komplexe nach Größe, Oberflächenhaftung und über Proteinbrücken festhalten. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem klassischen Plasmaaustausch: Es wird kein Spenderplasma oder Albumin zugeführt – das verhindert, dass neue Fremdstoffe oder Entzündungsbotenstoffe in Ihren Kreislauf gelangen.
Was die Studie zeigt – und was sie noch nicht zeigt
Die Forschenden beobachteten bei Patientinnen und Patienten, die sich einer therapeutischen Apherese unterzogen, tatsächlich messbare Rückgänge bei bestimmten PFAS- und Plastik-Signalen im Blut. Allerdings schwankte die Reduktion von Person zu Person und von Stoff zu Stoff. Die Apherese selbst gilt in erfahrenen Zentren als sicheres, gut etabliertes Verfahren; typische Begleiterscheinungen wie kurzer Blutdruckabfall, Müdigkeit, leichte Übelkeit oder citratebedingte Symptome sind in der Regel mild und gut beherrschbar. Wichtig für Ihre Einschätzung: Es handelt sich um eine explorative Studie mit einer kleinen, sehr unterschiedlichen Patientengruppe. Die exakte Messung von Mikro- und Nanoplastik im Körper ist methodisch noch eine Baustelle – kein einzelnes Laborverfahren kann heute die enorme Vielfalt an Partikelgrößen und Kunststofftypen zuverlässig erfassen. Bevor belastbare Aussagen zu echten Gesundheitseffekten möglich sind, braucht es größere, prospektive klinische Studien, die auch die optimale Häufigkeit und Dauer der Behandlung klären.
Was das für Sie konkret bedeutet
Nehmen Sie diese Meldung als das, was sie ist: ein vielversprechender erster Baustein, keine Therapieempfehlung. Wenn Sie sich wegen chronischer Belastung mit Umweltgiften oder anhaltender Entzündungszeichen Sorgen machen, kann es sich lohnen, das Gespräch mit einem erfahrenen Apherese-Zentrum zu suchen – immer eingebettet in einen Alltag, der Ihre körpereigene Reinigung stützt: ausreichend Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung, erholsamer Schlaf und die gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen, wie wir sie in der orthomolekularen Therapie einsetzen. Und fragen Sie gezielt nach: Welches Apherese-Verfahren kommt zum Einsatz? Wie wird der Erfolg gemessen? Welche Nebenwirkungen sind in dieser Einrichtung dokumentiert? So machen Sie aus einer Studie einen informierten nächsten Schritt – nicht in Hoffnung, sondern in Klarheit.